Ich fand sie an einem Dienstag im Oktober um 23:47 Uhr, zusammengekauert in einer Gasse hinter einer Apotheke in der Morrison Avenue. Zuerst hielt ich sie für eine Fremde. Dann fiel das Licht einer Straßenlaterne auf ihr kastanienbraunes Haar – das gleiche kupferrote wie das meiner verstorbenen Frau – und mir zog sich der Magen zusammen.
„Emma?“, flüsterte ich.
Sie sah zu mir auf, ihr Gesicht gezeichnet von Staub und getrockneten Tränen. Als sie mich erkannte, brach sie in Tränen aus. „Papa … er hat das Haus verkauft“, schluchzte sie. „Er hat alles mitgenommen.“
David Morrison. Mein Schwiegersohn. Der Mann, der ihr versprochen hat, sie zu beschützen.
Ich half ihr ins Auto. Ich versuchte, mir meine Angst nicht anmerken zu lassen, wie leicht sie sich in meinen Armen anfühlte, als ich sie hochhob. Ich badete sie warm, fütterte sie und legte sie in ihr altes Bettchen. Sie schlief sofort ein, als hätte ihr Körper den Kampf endlich aufgegeben.
Ich lag wach am Küchentisch, sein Handy lud neben meinem Kaffee.
Als der Fernseher anging, entfaltete sich die Geschichte vor meinen Augen: E-Mails, gescannte Dokumente und ein Grundbuchauszug, der belegte, dass Catherines Haus – das Emma geerbt hatte – allein auf Davids Namen übertragen worden war. Eine Urkunde, ein Stempel, eine „Unterschrift“ von Emma.
Aber es war nicht seine Unterschrift.