„Na, Musterschülerin, hat dir deine Goldmedaille denn was gebracht? Sieh dir nur an, was aus uns geworden ist und wie erbärmlich du bist.“ Bei einem Klassentreffen neckten ehemalige Mitschüler das schüchterne Mädchen, weil sie dachten, sie sei immer noch so still und brav wie eh und je. Doch was sie dann tat, schockierte alle.

Die schwere Glastür des Restaurants „Terrazza“ öffnete sich mit einem leisen Knarren. Maria hielt einen Moment inne, musterte den vollen, lebhaften Raum und trat dann entschlossen ein.

Die Atmosphäre war lebhaft. Laute Musik dröhnte, Kellner huschten zwischen den Tischen hin und her, und der Duft von teuren Parfums, gegrilltem Fleisch und Wein lag in der Luft. In der Mitte des Raumes stand ein langer Tisch, um den bereits einige seiner ehemaligen Klassenkameraden saßen.

Fünfzehn Jahre waren seit dem Studienabschluss vergangen.

Maria war nicht aus Nostalgie dorthin gekommen. Sie suchte nicht nach verklärten Erinnerungen. Sie wollte einfach ein Kapitel ihres Lebens abschließen und jene Menschen beobachten, mit denen sie Jahre zuvor jeden Tag im Klassenzimmer verbracht hatte.

Sie richtete sorgfältig ihr schlichtes grünes Leinenkleid und ging mit ruhigen Schritten auf den Tisch zu.

„Seht mal, wer da ist!“, rief eine schrille und enthusiastische Frauenstimme.

Es war Lilia, das Mädchen, das als die Schönste der Klasse galt, die nun in einem leuchtend roten Kleid, mit perfekt gekämmtem Haar und einem berechnenden Lächeln da saß.

Lilia musterte Maria von oben bis unten, als wolle sie eine Schwäche bei ihr finden.

„Maria? Wir hatten dich hier nicht erwartet“, sagte Igor mit einem gezwungenen Lächeln. Einst eine Schulsportlerin, nun sichtlich verändert.

Maria nickte allen zu, setzte sich dann auf die freie Seite des Tisches und bewahrte dabei ihre Fassung.

Die Unterhaltung verlief lebhaft, aber es lag auch ein gewisser Wettbewerbscharakter in der Luft. Jeder erzählte von seinem Leben und prahlte mit seinen Erfolgen und Errungenschaften.

„Na, Musterschülerin, hat dir deine Goldmedaille denn was gebracht? Sieh dir an, was aus uns geworden ist und wie erbärmlich du bist.“ Bei einem Klassentreffen neckten ehemalige Mitschüler das schüchterne Mädchen, weil sie dachten, sie sei immer noch so still und brav wie eh und je. Doch was sie dann tat, schockierte alle.

Einige unterhielten sich über teure Autos, andere über neue Wohnungen, wieder andere über Auslandsreisen. Es wirkte alles wie ein Wettbewerb, der sich als freundschaftliches Treffen tarnte.

Maria hörte schweigend zu und nickte hin und wieder. Sie hielt ein Glas Wasser mit Zitrone in der Hand, ihr Blick war aufmerksam, aber abwesend.

„Maria, was machst du denn jetzt schon wieder?“, fragte Lilia und erhob dabei absichtlich ihre Stimme, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Es wurde still im Raum. Alle wandten sich ihr neugierig zu.

Lilia lächelte und drehte das Glas in ihren Händen.

—Wir kannten dich noch aus der Schule. Immer mit Büchern in der Hand, so fleißig und lernbegierig.

Er beugte sich leicht nach vorn, als wolle er sein Urteil unterstreichen.

—Und? Was hat dir das ganze Lernen gebracht?