Ein Millionär gibt sich arm aus, um eine Mutter für seinen Sohn zu finden…

— Komm schon, Mateo, du bist schon spät dran.

Sebastián Montemayor rannte durch die Korridore der Villa und suchte nach alten Kleidern zum Anziehen.

„Komm schon, Lucas, wir müssen uns beeilen.“

Adrian Caldwell schritt den langen Marmorflur seiner Villa entlang und öffnete Schubladen und Schränke auf der Suche nach den abgetragensten und zerfleddertesten Kleidungsstücken, die er finden konnte. Das Haus war riesig, makellos sauber und schmerzhaft still – zu still, seit seine Frau drei Jahre zuvor gestorben war.

Der achtjährige Lucas erschien in der Tür und hielt ein verwaschenes, zerrissenes T-Shirt fest umklammert.
„Papa, ist das in Ordnung?“

Adrian drehte sich um, betrachtete sie aufmerksam und nickte dann.
„Perfekt.“

Lucas zögerte.
„Wird es wirklich funktionieren?“

Adrian hockte sich vor ihn und legte ihm die Hände auf die Schultern.
„Es wird funktionieren. Heute werden wir herausfinden, wer wirklich ein gutes Herz hat.“

—Aber warum dürfen wir nicht normal gekleidet ausgehen?

Denn wenn Menschen Geld sehen, behandeln sie einen anders. Sie lächeln breiter, sprechen leiser. Ich will nicht jemanden, der nett zu unserem Haus ist. Ich will jemanden, der nett zu uns ist.

Lucas schwieg und dachte nach.

Adrian kam heraus, nahm eine Handvoll Erde aus dem Garten und rieb sie sich auf Hemd und Jeans. Lucas lachte, als sein Vater ihm durch die sorgfältig gekämmten Haare fuhr und es ihm dann selbst genauso machte.

„Gut“, sagte Adrian seufzend, „jetzt wird uns niemand mehr erkennen.“

Sie verzichteten auf die luxuriösen SUVs und entschieden sich für die alte Limousine aus der Garage. Die Fahrt in die Innenstadt von Chicago verlief schweigend, beide in Gedanken versunken.

Adrian parkte in der Nähe eines stark frequentierten U-Bahn-Ausgangs, wo stündlich Hunderte von Menschen vorbeikamen. Er suchte sich ein kleines Stück Gehweg neben einer Backsteinmauer, setzte sich hin und zog Lucas neben sich.

„Erinnerst du dich an den Plan?“, flüsterte er.

Ein Millionär gibt sich arm aus, um eine Mutter für seinen Sohn zu finden…

Lucas nickte.
„Wir haben Hunger… und wir haben keine Bleibe.“