Daniel stand mit gesenktem Kopf vor der Klasse. Sein Rucksack lag auf dem Kopf; Hefte und Stifte waren auf dem Boden verstreut. Das Sandwich, das ich ihm am Morgen gemacht hatte, lag zerdrückt neben einem Tisch.
Mehr als zwanzig Schüler saßen schweigend da.
Hinter dem Schreibtisch stand die Lehrerin, Frau Patricia Hill – strenge Haltung, perfekt gekämmtes Haar, Ringe glänzten an ihren Fingern.
„Endlich“, sagte er kalt. „Sehen Sie, was Ihr Sohn getan hat.“
Ich ging zu Daniel hinüber und legte ihm die Hand auf die Schulter. Er zuckte zusammen.
„Papa, ich habe nichts genommen“, flüsterte sie.
„Ich weiß“, erwiderte ich bestimmt. „Pack deine Sachen zusammen.“
„Fass sie nicht an!“, zischte sie und schlug mit der Hand auf den Tisch. „Das sind Beweismittel. Fünfhundert Dollar sind aus meiner Handtasche verschwunden. Ich war nur kurz weg. Als ich zurückkam, war die Handtasche woanders und das Geld weg. Nur dein Sohn war da.“
Er beugte sich vor.
Ich habe seinen Rucksack durchsucht. Das Geld war nicht drin. Er hatte es irgendwo versteckt. Typisch für ihn. Das sieht man ihm an. Ein Junge aus einer zerrütteten Familie, immer gleich gekleidet…
Meine Kiefermuskeln spannten sich an.
„Haben Sie ihn vor der Klasse durchsucht? Ohne den Direktor? Ohne die Polizei?“, fragte ich ruhig.
—Ich sorge für Disziplin. Entweder Sie geben das Geld sofort zurück, oder ich rufe die Behörden. Das wird aktenkundig. Das Jugendamt könnte Ihre Familie überprüfen. Überlegen Sie es sich gut.
Erpressung. Ganz einfach.
„Ruf sie an“, sagte ich.
Augenbrauen hochgezogen.
- Verzeihung?
- Ich werde die Polizei rufen.
Der Raum erstarrte.
„Wenn du das tust, wirst du es bereuen“, zischte er, während er tippte. „Ja, es gab einen Diebstahl. Wichtig.“
Daniel und ich setzten uns in die letzte Reihe und saßen schweigend da.
„Sie ist seit September sauer auf mich“, murmelte er. „Sie wollte, dass ich ihr sage, wer in der Klassengruppe Witze über sie postet. Habe ich nicht.“
Ich umarmte ihn fest.
—Es wird dir nicht schaden.
Ich ging hinaus in den Flur und telefonierte selbst.
„Colonel Nathan Brooks?“, antwortete die Stimme nach ein paar Mal Klingeln.
— Nathan, ich bin Carlos Rivera.
—Carlos? Nach all den Jahren… was ist denn hier los?
Mein Sohn wurde des Diebstahls in der Schule beschuldigt. Die Polizei ist unterwegs. Ich brauche eine strikte Aufklärung des Vorfalls.
— Ich werde da sein.